










2025
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Stopover 25 im SANAA-Gebäude, Zeche-Zollverein, Essen
Wenn wir über diese Arbeit sprechen, dann sprechen wir nicht einfach über Bilder. Wir sprechen über jene Formen des Sichtbar-Machens, die unsere Gegenwart prägen und die zugleich kaum wahrgenommen werden. Der Ausgangspunkt dieser Arbeit liegt bei Bildern, die jenseits unserer gewohnten Bildkultur entstehen: Satellitenaufnahmen, die nicht zur Anschauung, sondern zur Funktion bestimmt sind.
Es handelt sich um Bildformen, die nicht gesehen, sondern eingesetzt werden. Und genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Relevanz dieser künstlerischen Position.
Die Arbeit nimmt diese technisch generierten Bildprozesse und entzieht sie ihrer üblichen Unsichtbarkeit. Sie führt sie zurück in einen Raum, in dem Bilder nicht als rein operative Einheiten fungieren, sondern als Gegenstände, die befragt werden können. Damit verschiebt sie die Bilder von ihrem Auftrag zurück zur Anschauung und eröffnet genau den Zwischenraum, in dem Bildkritik möglich wird.
Was hier entsteht, ist nicht nur ein Objekt, sondern ein Anlass zur Reflexion darüber, wie Bilder überhaupt entstehen und unter welchen epistemischen Bedingungen sie lesbar werden. Timo Matthies macht jene Operationen sichtbar, die gewöhnlich verborgen bleiben. Daten werden gesammelt, umgerechnet, gefiltert, geglättet. Das Ergebnis ist nicht mehr nur eine visuelle Oberfläche, sondern ein Artefakt dieser Prozesse.
In dieser Hinsicht knüpft die Arbeit an eine zentrale Einsicht der historischen Bildforschung an. Bilder sind nie selbstverständlich. Sie tragen Spuren ihrer Verfahren in sich. Und gerade in den Bildformen unserer Gegenwart, in denen das Fotografische zunehmend in datenverarbeitende Systeme übergeht, lohnt sich dieser Blick umso mehr.
Die Wahl des Motivs Wolken ist dabei alles andere als zufällig. Wolken sind Bildprobleme. Sie entziehen sich Kontur, Klassifikation und Dauer. In ihnen wird das Momenthafte und Prozessuale des Bildes besonders deutlich. Sie markieren jene Grenze, an der sowohl wissenschaftliche Verfahren als auch ästhetische Traditionen an ihre Ränder stoßen. Die Arbeit nutzt diese Ambivalenz bewusst. Wolken erscheinen hier nicht als Sujet, sondern als Prüfstein für die Frage, was ein Bild überhaupt leisten kann.
Diese künstlerische Position überzeugt deshalb, weil sie das Sichtbare und das Nicht-Sichtbare miteinander verschränkt. Sie zeigt das Bild nicht als fertiges Ergebnis, sondern als Spur eines komplexen Herstellungsprozesses. Sie macht sichtbar, dass Bilder nicht nur Darstellungen, sondern Hervorbringungen von Weltwissen sind.
Gerade darin liegt ihr Wert für eine Ausstellungspraxis. Sie hilft uns zu verstehen, wie sich Bildproduktion verändert hat und wie sehr unser Verhältnis zu Bildern heute von unsichtbaren Operationen geprägt ist. Diese Arbeit führt diese Operationen in eine Sichtbarkeit zurück und in einen Raum, in dem sie wahrgenommen, diskutiert, vielleicht auch infrage gestellt werden kann.
Diese Arbeit öffnet einen Denkraum darüber, was wir sehen, wenn wir ein Bild sehen. Sie führt uns an die Bedingungen der Sichtbarkeit selbst heran. Und sie tut dies in einer Form, die sowohl ästhetisch prägnant als auch theoretisch hoch produktiv ist.











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Stopover 25 im SANAA-Gebäude, Zeche-Zollverein, Essen
Wenn wir über diese Arbeit sprechen, dann sprechen wir nicht einfach über Bilder. Wir sprechen über jene Formen des Sichtbar-Machens, die unsere Gegenwart prägen und die zugleich kaum wahrgenommen werden. Der Ausgangspunkt dieser Arbeit liegt bei Bildern, die jenseits unserer gewohnten Bildkultur entstehen: Satellitenaufnahmen, die nicht zur Anschauung, sondern zur Funktion bestimmt sind.
Es handelt sich um Bildformen, die nicht gesehen, sondern eingesetzt werden. Und genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Relevanz dieser künstlerischen Position.
Die Arbeit nimmt diese technisch generierten Bildprozesse und entzieht sie ihrer üblichen Unsichtbarkeit. Sie führt sie zurück in einen Raum, in dem Bilder nicht als rein operative Einheiten fungieren, sondern als Gegenstände, die befragt werden können. Damit verschiebt sie die Bilder von ihrem Auftrag zurück zur Anschauung und eröffnet genau den Zwischenraum, in dem Bildkritik möglich wird.
Was hier entsteht, ist nicht nur ein Objekt, sondern ein Anlass zur Reflexion darüber, wie Bilder überhaupt entstehen und unter welchen epistemischen Bedingungen sie lesbar werden. Timo Matthies macht jene Operationen sichtbar, die gewöhnlich verborgen bleiben. Daten werden gesammelt, umgerechnet, gefiltert, geglättet. Das Ergebnis ist nicht mehr nur eine visuelle Oberfläche, sondern ein Artefakt dieser Prozesse.
In dieser Hinsicht knüpft die Arbeit an eine zentrale Einsicht der historischen Bildforschung an. Bilder sind nie selbstverständlich. Sie tragen Spuren ihrer Verfahren in sich. Und gerade in den Bildformen unserer Gegenwart, in denen das Fotografische zunehmend in datenverarbeitende Systeme übergeht, lohnt sich dieser Blick umso mehr.
Die Wahl des Motivs Wolken ist dabei alles andere als zufällig. Wolken sind Bildprobleme. Sie entziehen sich Kontur, Klassifikation und Dauer. In ihnen wird das Momenthafte und Prozessuale des Bildes besonders deutlich. Sie markieren jene Grenze, an der sowohl wissenschaftliche Verfahren als auch ästhetische Traditionen an ihre Ränder stoßen. Die Arbeit nutzt diese Ambivalenz bewusst. Wolken erscheinen hier nicht als Sujet, sondern als Prüfstein für die Frage, was ein Bild überhaupt leisten kann.
Diese künstlerische Position überzeugt deshalb, weil sie das Sichtbare und das Nicht-Sichtbare miteinander verschränkt. Sie zeigt das Bild nicht als fertiges Ergebnis, sondern als Spur eines komplexen Herstellungsprozesses. Sie macht sichtbar, dass Bilder nicht nur Darstellungen, sondern Hervorbringungen von Weltwissen sind.
Gerade darin liegt ihr Wert für eine Ausstellungspraxis. Sie hilft uns zu verstehen, wie sich Bildproduktion verändert hat und wie sehr unser Verhältnis zu Bildern heute von unsichtbaren Operationen geprägt ist. Diese Arbeit führt diese Operationen in eine Sichtbarkeit zurück und in einen Raum, in dem sie wahrgenommen, diskutiert, vielleicht auch infrage gestellt werden kann.
Diese Arbeit öffnet einen Denkraum darüber, was wir sehen, wenn wir ein Bild sehen. Sie führt uns an die Bedingungen der Sichtbarkeit selbst heran. Und sie tut dies in einer Form, die sowohl ästhetisch prägnant als auch theoretisch hoch produktiv ist.